Wilhelm Busch

Dies ist ein Artikel aus der Reihe "Reyman"

Das Henne-Ei (respektive Huhn-Ei) Problem gilt weitherum als unlösbares Rätsel: was war denn nun zuerst: Huhn oder Ei? Unlösbar ist das Rätsel allerdings nur, wenn man ihm ein falsches, kreationistisch angehauchtes Weltbild zugrundelegt. Aus evolutionärer Sicht ist die Frage sinnlos, da natürlich weder Henne/Huhn noch Ei zuerst waren - sondern am Anfang war natürlich das Nichthuhn, wie Reyman genauer erörtert. 

 

Am Anfang war das Nichthuhn. Nun, genau genommen nicht ganz am Anfang. Weil vor dem Nichthuhn war natürlich das Nichtnichthuhn. Und vor dem Nichtnichthuhn das Nichtnichtnichthuhn. Und, also das kannst du jetzt weiterspielen bis du irr bist. Und weil ich ja nicht will, dass du gleich so am Anfang, also das wäre jetzt schön blöd. Wenn du da gleich schon am Anfang. Und deshalb einfach: Am Anfang war das Nichthuhn.

Und dieses Nichthuhn, das gluckerte da auf seinen Nichthuhneiern und schön warm und kuschelig und so schön warm und kuschelig, dass da viele kleine Nichthühner. Und diese Nichthühner gluckerten dann wiederum und deren Nichthühner wiederum und und und und irgendwann war da nicht mehr Nichthun, sondern Huhn. Und so ist vor langer, langer Zeit aus einem Nichthuhnei ein Huhn entstanden. Oder hat ein Nichthuhn ein Hühnerei gelegt. Also natürlich nicht, dass da das Nichthuhn plötzlich Hühnerei. So Wunder oder aus heiterem Himmel. Sondern mehr so, Nichthuhn legt sich selbst ein Kuckucksei, quasi. So weil wegen Mutation oder mal böse fremdge-, also du weisst schon was. So halt Nichthuhn mit einem Nichtnichthahn. Oder was weiss ich. Und plötzlich statt Nichthuhnei liegt da ein Hühnerei in der Dose. Und das Nichthuhn guckt nicht mal blöde. Weil das hat das gar nicht bemerkt. Ist ja auch klar. Weil so Nichthühner, also die sind da wie Hühner. Nicht gerade Ausgeburten von Intelligenz. Aber selbst wenn jetzt so Albert Einstein der Nichthühner, also das hätte das auch nicht bemerkt. Weil so der Unterschied zwischen Nichthuhn und Huhn, also der mag ja heute gross sein, aber damals. Also das war so ganz langsame Entwicklung. Und deshalb, also vielleicht stimmt das auch gar nicht, was ich da gerade sage. Sondern mehr so tausend Jahre zuvor Nichthuhn und tausend Jahre danach Huhn und wo da genau so das Nichthuhn Huhn wurde, das kannst du gar nicht wirklich feststellen. So langsame Entwicklung. So vom Nichthuhn zum Fastnochabernichtmehrganznichthuhn zum Fastnochaberschoneinwenigwenigernichthuhn zum und so weiter und am Schluss eben: Huhn.

Und deshalb wohl besser mal ein Beispiel. Also nehmen wir mal an, dass da so ganze Nichthühnerkolonie. Und die lebt da friedlich an einem Fluss. So voll die Idylle, genügend Körner zum Picken und genügend Nichthähnchen so für den Spass und genügend halt einfach genügend von allem für so ein zufriedenes Nichthuhnleben. So richtig glückliche Nichthühner. Aber wie es so ist im Leben natürlich irgendwann doch das grosse Drama. Dass da so der Fluss, dass der eines Tages immer weniger Fluss und immer mehr Bach und irgendwann nicht mal mehr Bach und so einige dieser Nichthühner, die überqueren da dieses Rinnsal, weil das musst du wissen, Nichthühner können natürlich nicht gut fliegen. Und deshalb gehen da einige Entdeckernichthühner auf die andere Seite, so reine Neugier oder was weiss denn ich und nach der Nacht Rinnsal plötzlich wieder Bach und Bach so sehr Bach, dass die nicht mehr zurückkönnen. Familiendrama quasi. Aber Glücksfall für die Hühner. Weil jetzt neu zwei Nichthuhnkolonien und auf der einen Seite mehr so die Konservativen und die bleiben für lange Zeit Nichthühner und auf der anderen Seite so halt eben die Entdecker und die entdecken da vielleicht auch das eine oder andere Nichtnichthähnchen und so ganz neue Formen und so über die Jahrtausende, da hast du dann auf der einen Seite immer noch Nichthühner und auf der anderen Seite Hühner.

Aber wie auch immer. Also klar ist auf jeden Fall, dass da nicht zuerst das Huhn und nicht zuerst das Ei. Weder noch. So die alte Frage, so alter Partygag, was jetzt zuerst: Huhn oder Ei und jeder, he gute Frage und so. Kopfzerbrechen und keine Antwort. Sondern dass da weder zuerst Huhn noch zuerst Ei. Sondern natürlich zuerst Nichthuhn und zuerst Nichthuhnei. Ich meine, das ist jetzt doch völlig klar. Natürlich ist da nicht einfach ein Huhn vom Himmel gefallen. So der Alte da oben hat grad keinen Hunger mehr gehabt und noch ein Hähnchen übrig und plumps und seit da, na eben. Oder ein Ei, ich meine, das wäre ja gleich zerplatzt. Also deshalb dann doch eher zuerst das Huhn. Aber auf jeden Fall mehr so nicht: Schwups und voilà, sondern: immer mit der Ruhe. Und weil viel Ruhe, also weil das Nichthuhn, das gibt es schon lange nicht mehr, also dieses hier. Ich meine, ist natürlich fast alles Nichthuhn, das nicht Huhn ist. Aber das hast du jetzt falsch verstanden. So hab ich das nicht gemeint. Und wichtig ist doch nur: jetzt haben wir Hühner und Eier und Hühnereier und all das. Und auch Hähnchen.

Und da fragst du dich dann sicher, woher diese Hähnchen gekommen. Weil so bevor die Nichthuhnhenne Nichthuhnei gelegt hat, da musste die ja, also da brauchte die ja auch ein Nichthuhnhähnchen. Und natürlich billig diese Erklärung, dass da ein Nichthuhn ein Nichthuhnei legt und keine Antwort auf die Frage, woher denn das Nichthuhnhähnchen gekommen ist. Aber das ist gar nicht billig. Weil so ist es einfach. Dass da so die Männchen, dass die eigentlich nur sekundär.

Da gibt es auch heute noch ganz viele Tiere, die, also alle Möglichkeiten ziehen die durch. So sexuell und asexuell und irgendwie auch beides zugleich. Da gibt es so Nichthühner, so Gewürm und Schnecken und Krebse und Echsen und und und, die machen es dann mit sich selbst. Also jetzt nicht Handarbeit. Sondern wenn die grad etwas wuschig, dann befruchten die sich selbst. Halt irgend ein Hormon und dann hat die Eizelle plötzlich das Gefühl, dass da Entjungferung und ein paar Tage oder Wochen oder so, also dann plötzlich ganz viele kleine Schnecken. Oder Krebse. Oder so. Obwohl eindeutig noch Jungfrau.

Und andere, die klonen sich dann irgendwie und je nach Situation dann doch mal etwas Sex. Oder auch gar kein Sex. So zum Beispiel die Rädertierchen. Da gibt es gar keine Jungs. Alles Jungfrauen. Und doch schon, also die gibt es schon seit Millionen von Jahren.  Oder besonders spannend. Also da gibt es auch Nichtnichthühner. Also Hühner. Nicht Nichthühner. Hehe. Truthühner. Und diese Truthühner, also die können es auch mit sich selbst machen, also nicht nur so kleine Schnecken und Gewürm und so. Aber diese Truthühner, wenn die so ohne Männchen, dann haben die als Junge nur Männchen. Wenn so unbefruchtetes Ei. Die können also ohne Männchen Männchen machen. Und mit Männchen Weibchen. Und das ist natürlich schon noch praktisch, wenn da grad mal akuter Männermangel. Dann mal kurz Spass mit sich selbst und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Parthogenese nennt man das, so Fachausdruck. Jungfernzeugung. Und wenn da so Nichthühner sich selbst befruchten können, dann ist halt so einem Nichthuhnei nicht nur irgendwann ein Huhn entschlüpft, sondern ein ander Mal auch ein Nichthuhnhähnchen.

Und da fragst du dich dann vielleicht, woher dieses Nichthuhn gekommen. Das dann ganz jungfräulich ein Nichthähnchen. Weil ist irgendwie klar, dass da nicht zuerst das Nichthähnchen war. Weil so ein Hähnchen, das ist ja längst tot. Hähnchen. Grill. Hehe. Wobei, also ganz am Anfang, also vor dem ersten Nichthuhn. Also halt vor dem Anfang. So ganz ganz am Anfang, da gab es ja noch gar kein Leben. Also quasi doch Nichthähnchen. Da war alles tot, alles Urmasse, so vor ein paar Milliarden Jahren. So nach dem Urknall bis dann eben das erste Nichthuhn entstanden ist. Also Nichtnichtnichtnicht und so weiter. Denn aus dieser Urmasse soll sich Leben entwickelt haben. Hab ich mal gelesen. So ein ganz primitives Nichthuhn. Also nicht primitiv, pervers oder so, sondern einfach einfach. So ein Bakterium, aber vielleicht einfach noch etwas einfacher. Also wohl ein Nichtbakterium. Und dieses Nichtbakterium teilte sich fröhlich, wie das lebende Einzeller so an sich haben. Wobei: fröhlich? Egal. Dieses Nichtbakterium teilte sich auf jeden Fall und irgendwann ist da ein Fehler passiert. Und das Nichtbakterium hat, anstatt sich zu teilen, ein Nichtei gelegt. Also nicht wirklich gelegt, wohl eher ein Nichtei abgespalten. So Meiose statt Mitose, damit du auch etwas angeben kannst. Und deshalb war da ganz am Anfang eigentlich gar kein Nichthuhn. Sondern ein Nichtbakterium. Aber ein Nichtbakterium ist natürlich auch ein Nichthuhn irgendwie. Und deshalb, eben. Am Anfang war das Nichthuhn. Sag ich doch.

Fortsetzung: »Reyman über die Beseelung im Christentum

» Alle Texte von Reyman

Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden