"In meinen Arbeiten zum Leib-Seele-Problem habe ich mehrere Argumente angegeben, die den Materialismus widerlegen. Die Materialisten scheinen jedoch resistent gegenüber Argumenten zu sein." S. 234

"Der Materialismus ist keine Konzeption von bloß akademischem Interesse, er hat vielmehr gravierende praktische Konsequenzen. Er entzieht dem menschlichen Selbstverständnis, auf dem die europäische Kultur aufbaute, die Grundlage. Für ihn geschieht alles durch Zufall oder Notwendigkeit - "Notwendigkeit" steht für deterministische Naturgesetze. Auch der Mensch ist ein zufälliges Produkt kosmischer Entwicklungen wie der Evolution. Es gibt keine Freiheit, denn freie Handlungen sind weder zufällig noch determiniert. Handlungsgründe, speziell Vernunftgründe, bleiben daher ohne Wirkung auf unser Verhalten, so dass die Vorstellung vom Menschen als Vernunftwesen obsolet wird. Es gibt keine besondere Menschenwürde, denn die gründet sich nach Kant auf unsere Freiheit und unseren moralischen Sinn. Diesen Sinn gibt es für den Materialismus schon deswegen nicht, weil es die objektive Realität nicht gibt, auf die er sich beziehen soll: Es gibt keine objektiven Werte und Normen, denn die kommen in der Physik nicht vor; es gibt nur subjektive Präferenzen und Konventionen.

Heute ist der Materialismus so etwas wie die offizielle Doktrin. Wegen seiner Konsequenzen für unser Selbstverständnis ist die Auseinandersetzung mit ihm auch gegenwärtig eine der wichtigsten Aufgaben der Philosophie." S. 236

Franz von Kutschera in Knaup 2011, S. 235f.

Kommentar: Franz von Kutschera hat offensichtlich wenig Ahnung, wovon er spricht, manche seiner Befürchtungen sind falsch, manche mögen stimmen, auf jeden Fall gibt es gute Gründe, warum der Materialismus heute vor allem in den Wissenschaften sehr weit verbreitet ist: er folgt aus empirischen und logischen Notwendigkeiten und basiert nicht auf Wünschen und Hoffnungen.

Auch ohne Willensfreiheit spielen Vernunftgründe eine wesentliche Rolle, gerade der Materialismus muss von einer objektiven, materiellen Realität ausgehen, objektive Werte und Normen gibt es in der Tat nicht - aber eben aus grundsätzlichen Erwägungen.

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