"Die Fusion von Naturalismus und der Idee der Evolution wurde schon vor 80 Jahren vollzogen, als Roy Sellars einen Entwurf vorlegte, der bedauerlicherweise nicht in dem Maße beachtet worden ist, wie er es verdient hätte. Sellars sieht im Platonismus, aber auch im Kantianismus, die Antagonisten einer rein natürlichen Weltverfassung. Platons Deutung der Erscheinungswelt als defiziente Ausprägung einer Ideenwelt, genauso wie Kants transzendentale Wendung zum phänomenalen Idealismus, steht in Konflikt mit der Objektivität der materiellen Natur. Speziell Kants Verlassen des objektiven Realismus und seine Eröffnung eines eigenen noumenalen Reiches zur Rettung der menschlichen Freiheit gegenüber einer Welt mit durchgehender Naturkausalität brachten eine deutliche antinaturalistische Wende mit sich. Erst durch Darwins Einbettung des Menschen und seiner Erkenntnisfähigkeit in den Kontext der Naturgeschichte ließ sich der Weg zu einer vollständigen Naturalisierung des Erkenntnis- und Handlungsaspektes des Menschen erreichen. "Nature is a world in which knowing occurs, just as surely as it is a world in which coal burns and dynamite explodes." Wenn man also weder auf platonische noch auf kantische Weise die Erkenntnistätigkeit des Menschen von der Welt abspaltet und auf eine präternaturale Ebene schiebt, sondern den Menschen als Entwicklungsprodukt einer besonderen Tierart betrachtet, dann befindet man sich auf dem Wege zu einer einheitlichen evolutionären naturalistischen Weltkonzeption."

Kanitscheider 2007, S. 69f.

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